Arbeitshilfe

Timbuktu

Film: 

Ein Film von Abderrahman Sissako
Frankreich, Mauretanien 2014, 92 Min., OmU

Inhalt (kurz)
In die Stadt Timbuktu, im Norden des westafrikanischen Staates Mali, fällt eines Tages eine Gruppe Dschihadisten ein. Sie versuchen, den Bewohnern, die friedlich zusammenleben, die Regeln eines fundamentalistisch ausgelegten Dschihads aufzuzwingen. Die Regeln bestehen aus lauter Verboten: Musik und Zigaretten sind verboten, Frauen müssen Strümpfe und Handschuhe tragen, Männer die Hosen hochkrempeln, Buben wird das Fußballspiel untersagt. Wer nicht pariert, wird bedroht, mit Gewalt gefügig gemacht oder zu Tode gebracht. Doch die Menschen wehren sich, vor allem die Frauen lassen sich ihre Lebensfreude nicht nehmen und entlarven die Dschihadisten als das, was sie sind: von der Macht verführte, brutale, scheinheilige Schinderknechte.

Inhalt
Eine Gazelle rennt durch die ockerfarbige Steppe, Schüsse fallen, ein mit der schwarzen Fahne der Terroristen geschmückter Landrover taucht auf, Terroristen ballern johlend auf das fliehende Tier. Dann zerstören die Schüsse eine Reihe von Holzfiguren im Sand. Schnitt. Ein Mann wird mit verbundenen Augen von einer Gruppe Terroristen in eine Schlucht geführt. Medikamente werden ausgetauscht, der Mann wird in einen Landrover geladen.
Erst nach diesem Vorspiel taucht der Name des Films auf, Timbuktu. Auf Motorrädern fahren die Dschihadisten durch die Stadt und verkünden, was ab sofort zu gelten hat. In voller Montur dringen sie in die Moschee ein, wo sie vom Imam zurecht gewiesen und aufgefordert werden das heilige Haus sofort zu verlassen. Widerwillig gehorchen sie, sind aber fest entschlossen, Timbuktu den Dschihad aufzuzwingen. In der sagenumwobenen Wüstenstadt in der Nähe des Flusses Niger haben die Fischer, Bauern, Händler und Hirten bisher mehr oder weniger friedlich nebeneinander gelebt. Zum  Beispiel die Familie des Fischers Amadou oder die Familie des Hirten Kidane, der mit seiner Frau Satima und seiner zwölfjährigen Tochter Toya in einem Zelt außerhalb der Stadt mitten in den goldfarbenen Dünen wohnt. Seine acht Kühe hütet Issan, den Kidane als Waisenkind in seine Familie aufgenommen hat.
Auf Motorrädern brausen die Dschihadisten durch die engen Gassen der Stadt mit ihren niedrigen lehmfarbenen Häusern. Auf dem Markt stellen sie eine junge Fischhändlerin und verlangen von ihr, dass sie Handschuhe und Strümpfe trägt. Unerschrocken wehrt sie sich, gibt nicht nach und wird von den Dschihadisten abgeführt. Ihr Anführer Abdelkrim und sein Fahrer Omar sind mit einem Landrover unterwegs. Sie kurven immer wieder durch die Stadt und über sandige Pisten durch die mit knorrigen Bäumen, Ginster und Akazien bewachsene sandige Landschaft am Rande der Sahara. Zwischendurch verschwindet Abdelkrim hinter einer goldenen Düne, um zu rauchen.
Die Dschihadisten kommen von auswärts, sie kennen die lokalen Sprachen nicht, zum Teil  können sie sich auch untereinander nur auf Englisch oder Französisch verständigen. Abdelkrim ist als Übersetzer auf seinen Fahrer Omar angewiesen. Abdelkrim hat ein Auge auf Satima, die schöne Frau des Hirten Kidane geworfen, was Omar, dem die Familie sympathisch ist und der mit den Verhältnissen vertraut ist, nicht entgeht. Subtil warnt er Abdelkrim. Dieser taucht immer dann vor dem Zelt der Hirtenfamilie auf, wenn Kidane abwesend ist. Stolz verweist Satima ihn in seine Grenzen.
Die Dschihadisten versuchen, den Imam von ihren Vorstellungen zu überzeugen, doch der kleine, runde Imam ist ein aufrechter Geist. Er entlarvt ihre Widersprüche und fordert sie dringend auf, ihre Schreckensherrschaft zu beenden. Doch die Terroristen denken nicht daran. Ein junger Mann, der Fußball gespielt hat, wird ausgepeitscht, ebenso eine Frau, die nachts gesungen und der Mann, der sie auf der Gitarre begleitet hat. Schluchzend fängt sie unter den Hieben zu singen an. Ein Liebespaar wird öffentlich gesteinigt, ein junges Mädchen, das die Dschihadisten in einer Mauerecke beim Telefonieren überraschen, wird abgeführt und später zwangsverheiratet. Weder der Protest des klugen Imam, noch der mutige Widerstand der Mutter, die den Dschihadisten vorhält, dass Zwangsheiraten hier nicht Brauch sei, kann die Missetat verhindern.
Die Bewohner Timbuktus wehren sich auf ihre Art. Zum Beispiel Zabou, die geheimnisvolle attraktive Verrückte, die sich einen Gockel hält und die Dschihadisten in ihren Bann zieht. Mit  ausgebreiteten Armen zwingt sie den Landrover zum Abdrehen. Vielleicht ist sie  ja gar nicht verrückt. Oder die Buben, die in einer hinreißenden Szene Fußball spielen – ohne Ball. In der vielleicht durch Sand getrübten gelblichen Luft hat das Spiel etwas Irreales, ein lautloses Ballett hinter dem Netz des Tors.
Der Hirte Kidane versucht, sich aus allem herauszuhalten. Obwohl die meisten anderen Hirten ihre Zelte abgebrochen haben und weiter gezogen sind, möchte er hier bleiben, auch um seiner Tochter willen, die er abgöttisch liebt. Er glaubt, dass sie in der Nähe der Stadt mehr Chancen hat. Kidane bittet Satima um Unterstützung. Sie hat längst Bedenken und möchte näher zu den ehemaligen Nachbarn ziehen. Doch sie widersetzt sich dem Wunsch Kidanes nicht. Noch mutet ihr Leben draußen in der von beige über braun und ocker bis golden schimmernden Dünenlandschaft und unter dem bequemen, mit farbigen Teppichen ausgelegten Nomadenzelt fast idyllisch an. Zur Idylle trägt der Liebreiz des Mädchens Toya bei, sie ist der Augapfel ihres Vaters. Doch auch Kidane und seine Familie werden auf brutale Weise in das Geschehen hinein gezogen. Das kommt so: Issan, Kidanes Stiefsohn, will die Herde am Fluss tränken. Dabei verheddert sich ein Tier in den Netzen des Fischers Amadou, worauf dieser vor den Augen seiner erschrockenen Frau die Kuh mit einem Speerwurf tötet. Es ist ausgerechnet die beste Kuh mit dem Namen GPS. Sie war trächtig und Kidane wollte das Kalb Issan schenken. Verzweifelt rennt Issan nach Hause und beichtet Kidane, was geschehen ist. Kidane tröstet den schluchzenden Buben und macht sich auf den Weg. Als er eine Pistole einsteckt, meint Satima, er solle es mit Reden versuchen, aber Kidane bleibt hart.  Scheinbar gelassen sieht Satima ihm nach. Auch Toya tröstet Issan.
Kidane stellt Amadou, die beiden Männer geraten in Streit, es kommt zum Kampf, am Ende liegen beide im Wasser, Amadou ist schwerverletzt und stirbt. Kidane eilt nach Hause. Ein Dschihadist findet den Toten und meldet den Vorfall seinen Anführern. Kidane wird gefasst, abgeführt und in ein Verließ eingeschlossen. Er bittet, man möge seine Frau benachrichtigen, was nicht einfach ist, denn draußen in der Sahara ist der Empfang nicht gewährleistet.
Kidane wird dem „Gericht“ vorgeführt. Der Chef der Dschihadisten eröffnet ihm, dass die Scharia angewandt werde. Um am Leben zu bleiben, müsse er die Vergebung der Familie des Fischers erlangen und 40 Kühe aufbringen. Kidane resigniert, er weiß, dass das völlig unmöglich ist. Er selbst hat gerade einmal acht Kühe, nach dem Tod von GPS sind es noch sieben. Kidane akzeptiert sein Schicksal, aber er hat eine dringende Bitte. In einer langen Szene spricht er den Dschihadisten als Vater an, der doch auch Kinder habe, und drückt sein Leid aus, dass er seine Tochter, sein einziges Kind, das Teuerste in seinem Leben, nicht mehr wird beschützen können. Noch einmal möchte er das Gesicht seiner Tochter sehen. Doch daraus wird nichts.
Vor den Toren Timbuktus, beim Rastplatz der Kamele, stehen die Dschihadisten mit Gewehren bereit. Kidane wird zum Richtplatz  gefahren, er wartet, betet, wartet. Ein der Familie Kidanes wohlgesinnter Mann in grün gemusterten Kleidern, der den Bewohnern Timbuktus sonst das Wasser aus dem Brunnen bringt, geht das Wagnis ein und holt Satima mit seinem Motorrad ab. Am Richtplatz angekommen rennt Satima ohne zu zögern auf Kidane zu. Schüsse knallen, helle Aufregung macht sich breit. Kidane und Satima liegen tot beieinander am Boden. Der Wasserkurier flüchtet mit dem Motorrad. Die Dschihadisten im Landrover rasen hinterher.
Die Gazelle rennt, Toya rennt, Issan rennt. Der Wasserkurier rennt um sein Leben. Toya rennt in eine ungewisse Zukunft.

Würdigung und Kritik
„Timbuktu“ ist ein poetischer Film mit Bildern von leuchtender Schönheit. Die von beige bis golden schimmernden Farben der Dünen erscheinen wieder im Ocker der Häuser in der Stadt. Wie Farbtupfer stehen die kleinen, grünen Bäume im Sand. Und inmitten dieser großartigen Landschaft duckt sich einsam das niedere Zelt der Familie Kidanes, ein sicherer Hort in der Sahara. Von archaischer Schönheit auch die Bewegungen des Fischers Amadou, wenn er seine Netze auswirft und die Wassertropfen an ihnen abperlen. Und niemand, der den Film gesehen hat, wird die Szene vergessen, wo die Buben Fußball spielen ohne Ball. Kritiker haben sie zu Recht als einen geradezu magischen Moment bezeichnet. Es gibt in diesem Film immer wieder Bilder und ganze Szenen von träumerischer Intensität. Wie hat Abderrahmane Sissako dies zustande gebracht? In einem Interview sagte er auf diese Frage:
„... Das Wichtigste ist, dass Du vertraust und dass man dir vertraut. An einen Film muss man glauben, von Anfang an, alle müssen an ihn glauben, auch die Schauspieler, die ganze Equipe, die Leute, die ihn finanzieren. Alles steht und fällt mit dem Vertrauen. Vertrauen hilft. Wenn ich meinem Gegenüber vertraue, dann macht er mich verletzlich und es ist Deine Verletzlichkeit, aus der der Film entsteht. Man kann einen Film nicht realisieren, wenn man nicht verletzlich ist.“
In scharfem Kontrast vor allem zum Frieden im Zelt der Hirtenfamilie steht die Gewalt, die uns Abderrahmane nicht erspart. Auch die Szenen, wo Menschen gesteinigt oder fast zu Tode geprügelt werden, gehen einem so schnell nicht aus dem Sinn. Es habe Mut gebraucht, diesen Film zu drehen, sagte Abderrahmane Sissako bei einer Pressekonferenz, aber wirklich Mut bewiesen jene Menschen, die solche Gewalt erlebt hätten, jene, die einen „stillen Kampf“ gegen die Unterdrückung und die Gewalt führten und deren „combat silencieux“ viel zu wenig oder gar nicht zur Kenntnis genommen werde. Den Hintergrund zum Film bildet zwar der gewaltsame Einbruch der Dschihadisten in Timbuktu im Frühling 2014, aber ein anderes Ereignis war für Abderrahmane Sissako Ausschlag, den Film zu drehen:
„Das Ereignis, das den Ausschlag gab, war die Steinigung eines Paares in Aguelhok (im Norden Malis). Von den Medien wurde das Ereignis nicht zur Kenntnis genommen. Heute spricht man eher über das Erscheinen neuer Telefone auf dem Markt als über Leute, die sterben. Die Steinigung dieses Paares in einem kleinen Dorf im Norden Malis hat mich dazu gebracht, diesen Film zu drehen. Nicht das Ereignis selbst, sondern die Tatsache, dass man nicht darüber gesprochen hat.“
„Timbuktu“ ist ein poetischer Film mit einer klaren politischen Aussage: Gewalt in jeder Form ist zerstörerisch. Dennoch zeichnet Sissako die Dschihadisten, die Gewalt in jeder erdenklichen Form gegen die Bewohner anwenden, nicht einfach als die Bösen. Es sind Menschen, hinter deren Arroganz sich Schwächen und Unsicherheiten verbergen. So sieht der Regisseur die Gotteskrieger:
„Jeder Mensch ist ein komplexes Wesen. Es gibt das Böse aber auch das Gute. Es ist wichtig zu betonen, dass ein Dschihadist uns ähnlich ist, ein Mensch, dem zu einem gewissen Zeitpunkt seines Lebens etwas zugestossen ist, das ihn umgeworfen hat. Wenn man eine Geschichte erzählt, versucht man immer, so gut als möglich ihre menschlichen Seiten, ihre Zerbrechlichkeit zu zeigen. Wer misshandelt kann auch zweifeln, das ist es, was der Imam dem Chef der Dschihadisten gegenüber immer wieder betont.“
Der Dschihadisten-Chef hört dem Imam aufmerksam und ohne ihn zu unterbrechen zu. Die „Gerichts-Verhandlung“ gegen Kidane mag zwar eine Farce sein, dennoch gibt der selbsternannte Richter Kidane Raum, um seine Gefühle auszusprechen und interveniert nicht, wenn Kidane nur noch mit dem Dolmetscher in einer ihm unverständlichen Sprache spricht.
Im Zusammenhang mit den Dschihadisten entstanden auch Szenen voller Humor. Etwa wenn Abdelkrim verborgen hinter einer Düne raucht, obwohl alle wissen, dass er das tut. Oder wenn derselbe Abdelkrim mit dem Landrover durch den Sand prescht und sich wie ein Teenager freut, dass er das kann. Oder wenn sich die Terroristen gegenseitig schlechtes Arabisch vorwerfen. Erhellend die Szene, wo die jungen Dschihadisten kenntnisreich und voller Eifer in perfektem Französisch über europäischen Fußball diskutieren. Düster wiederum die Szene, wo Abdelkrim in seiner Frustration die Kuppe eines Baumes, die hinter einer Düne hervorragt, mit einer Gewehrsalve wegrasiert. Man darf darin die Schamhaare einer Frau vermuten. Das Lachen schlägt um in Entsetzen.
Sissako macht kein Hehl daraus, dass er die Frauen für die Starken hält. Die junge Fischverkäuferin lässt sich von den Terroristen nicht einschüchtern; die Sängerin hebt zu singen an, während Peitschenhiebe auf sie niederprasseln, unerschrocken hält die Mutter des zwangsverheirateten Mädchens den menschenverachtenden Methoden der Terroristen die althergebrachten Bräuche ihres Volkes entgegen. Mit ausgebreiteten Armen stellt sich die verrückte Zabou dem Landrover entgegen. Die Frauen kämpfen für die Freiheit und für ihre Würde und nehmen Folter und Tod in Kauf. In den Tod geht Satima, die wunderschöne Frau Kidanes, hinter deren Gelassenheit ein unbeugsamer Geist waltet. Unterstützt werden die Frauen von dem weisen Imam, der kein Schauspieler ist, sondern Imam im wirklichen Leben.
Im Duell zwischen Kidane und Amadou deutet Sissako aber auch an, dass Timbuktu vor dem Einfall der Gotteskrieger keineswegs eine reine Idylle gewesen ist. Die Spannungen zwischen den hellhäutigen Hirten und den von ihnen diskriminierten dunkelhäutigen Fischern und Bauern gehören auch zur Geschichte und Gegenwart Timbuktus. In diesem Film mit tödlichem Ausgang.
Gefühle und Emotionen drücken sich oft auf den Gesichtern aus. Ist es ein Zufall, dass hinter der Kamera eine Frau steht, Sofiane el Fanisi? Sie übersetzt Sissakos Bildsprache meisterhaft, geht mit der Kamera oft ganz nahe an die Gesichter heran. Misstrauen im Blick des Fischers, wenn er Issan beobachtet, Sorge im Blick Satimas, wenn sie Kidane nachschaut, Lüsternheit bei Abdelkrim, wenn er Satima betrachtet, grenzenloses Vertrauen, wenn Toya zu ihrem Vater aufblickt. Gespannte Aufmerksamkeit beim Chef der Terroristen, wenn er dem Imam zuhört, Hilflosigkeit, wenn es dem jungen Dschihadisten nicht gelingt, die Botschaft des Dschihad vor der Kamera überzeugend zu verkünden. Den Kontrast zu den starken Emotionen der Gesichter und der zunehmenden Dynamik des Geschehens bildet die Natur in ihrer gleichgültigen Schönheit, der Sand, der Wind, das Wasser, der helle Tag und die dunkle Nacht. Obwohl sich die einzelnen Szenen in rascher Folge aneinanderreihen, kommt keine Hektik beim Zuschauen auf. Sparsam aber effektvoll eingesetzt die Musik des franco-tunesischen Komponisten Amine Bouhafa.
(Die Zitate stammen aus einem Interview, das die Westschweizer Journalistin und Filmkritikerin Firouz-Elisabeth Pillet im Dezember 2014 in Cannes mit Abderrahmane Sissako führte).

Hintergrundinformationen

Timbuktu. Der Konflikt von 2012
Der Film spielt auf dem Hintergrund des Konfliktes, der im Frühling 2012 im Norden Malis in einen Krieg ausartete. Im März hatten aufständische Militärs gegen die Regierung geputscht und Präsident Anadou Touré abgesetzt. Tuareg-Rebellen nutzten die Gunst der Stunde und riefen im Norden Malis einen eigenen, säkularen Staat aus. Die Tuareg fühlen sich zu Recht seit langem von der Regierung in Bamako vernachlässigt, die dem Volk der Nomaden die versprochene Unterstützung versagt und Versprechen nicht einhält. Die Lage wurde bald unübersichtlich, es kam zu Kämpfen zwischen verschiedenen islamistischen Gruppen und den Tuareg. Die Federführung im Aufstand übernahm dann die islamistische Miliz Ansar Dine, der Verbindungen zu Al Quaida nachgesagt wurden. Ihr Ziel war ein Scharia-Staat im Norden Malis. Unter den Islamisten befanden sich Tuareg, die viele Jahre in Libyen verbracht hatten. So behauptet auch der Übersetzer im Verhör von Kidane, er komme aus Libyen. Es gab Tuareg, die sich zu den Islamisten gesellten, andere lehnten die Einmischung der Dschihadisten ab. Im Januar 2013 eroberten malische und französische Truppen die Stadt zurück.
Die Dschihadisten richteten große Schäden an. Sie zerstörten mehrere Mausoleen und beschädigten die größte der berühmten Bibliotheken Timbuktus, das „Zentrum Ahmed Baba“, schwer. Die Befürchtung, die Islamisten hätten auch die Tausenden von Manuskripten in den verschiedenen Bibliotheken Timbuktus zerstört, bewahrheitete sich zum Glück nicht. Bibliothekare hatten unter Mithilfe der Bevölkerung angesichts des drohenden Unheils fast das gesamte Schrifttum der Bibliotheken vorsorglich und unter großen Gefahren in die Hauptstadt Bamako gebracht.

Die Rivalität unter den Bevölkerungsgruppen
Die muslimische Vielvölkerstadt Timbuktu war auch in der Vergangenheit keineswegs immer ein Hort von Frieden und Gelehrsamkeit. Die kulturellen Unterschiede  zwischen den hellhäutigen, stolzen, reichen Tuareg und Fulbe, den Nomaden, und den dunkelhäutigen Angehörigen der Songhai, Bambara, Malinke und Bozo waren groß. Sie gingen unterschiedlichen Berufen nach. Die Nomaden waren Viehzüchter, die Bozo Kleinbauern und Fischer, die übrigen stellten das Stadtvolk der Händler, Handwerker, Beamten, Gelehrten etc. Alle hatten ursprünglich ihre eigenen Sprachen.
Offizielle Amts- und Schulsprache ist in Mali Französisch. Als Umgangssprachen hört man heute in Timbuktu meist Songhai und einen maurischen arabischen Dialekt. Die Gelehrten pflegen das Hocharabisch, zum Beispiel spricht der Imam im Film im Gespräch mit dem Chef der Dschihadisten hocharabisch. Tamasheq ist nach wie vor die Sprache der Tuareg.
Das Schichtbewusstsein ist noch immer sehr ausgeprägt. Natürlich haben sich die verschiedenen Ethnien im Lauf der Zeit etwas vermischt und die Moderne hat die Rassenkonflikte entschärft, aber alte Rivalitäten und Spannungen können jederzeit wieder aufflammen. Das Volk der Bozo (oder Bella) dienten im Mittelalter der Oberschicht der Tuareg als Sklaven und wurde von seinen Herren ausgebeutet, ein Abhängigkeitsverhältnis, das sich bis weit ins 20. Jahrhundert fortsetzte. Man kann annehmen, dass der Fischer Amadou und seine Familie Bozos sind, während Kidanes Familie zu den Nomadenvölkern gehört. Das würde das bestehende Misstrauen zwischen ihnen auch ethnisch und historisch erklären.

Die Geschichte der Stadt Timbuktu
Timbuktu verdankt seine historische Bedeutung seiner Lage am Schnittpunkt großer Handelsstraßen zwischen Nord und Süd, an der Schnittstelle zwischen dem islamischen Norden und Schwarzafrika, am Rand der Wüste und unweit eines großen Flusses. Ihren Ursprung hatte sie wohl in einem Camp der Tuareg, des Nomadenvolkes der Sahara. Die Geschichte nennt das 11.Jahrhundert als wahrscheinliche Gründungszeit. Ihren Namen soll sie von einer Frau namens Bouctou haben, der die Tuareg die Bewachung des dortigen Brunnens anvertrauten.
Im 14.Jahrhundert wurde Timbuktu zum Zentrum des Salz-und Goldhandels. Während ihrer Glanzzeit, im 15. und 16. Jahrhundert, war Timbuktu die größte und wichtigste Handelsstadt der Region. 100.000 Menschen sollen damals in der Stadt am Südrand der Sahara gewohnt haben, viele waren reich. „Der Reichtum eines Mannes wurde eingeschätzt nach der Zahl seiner Bücher und der Pferde in seinem Stall.“ Neben Salz, das damals an Wert Gold gleichkam, gelangten aus dem Norden Metalle, Pferde, Feuerwaffen, Seidenstoffe, Glasperlen, Handschriften und Datteln nach Timbuktu, die dort gegen das begehrte Gold, gegen Sklaven, Elfenbein, Moschus, Kolanüsse, Pfeffer, Gummi, Lederwaren und Hirse aus dem Süden getauscht wurden. Mit dem Handel blühte die Gelehrsamkeit. 180 Koranschulen gab es in Timbuktu und eine Universität, wo die arabische Sprache, Rhetorik, Astrologie und die Exegese des Koran gelehrt, die Gesetzesquellen studiert und die Rechtsprechung geübt wurden. Der Ruhm der Universität von Timbuktu drang bis ins andalusische Granada. Bis zu 25.000 Studenten beherbergte die Stadt in ihren Mauern.
In Europa war die Stadt bereits Ende des Mittelalters bekannt, sie figuriert auf europäischen Weltkarten des 14. Jahrhunderts als „Ciutat de Melli“, und Residenz des „Rex Melli“, des Königs der Goldminen. Mit dem König von Melli, war Mansa Mussa gemeint, der schwarze Sultan von Mali, ein gelehrter Mann und ein gewiefter Politiker. Der afrikanische Historiker Joseph Ki-Zerbo beschreibt eine Begebenheit aus Mussas Leben mit folgenden Worten: „Im Jahr 1324 unternahm er die Wallfahrt nach Mekka in der eindeutigen Absicht, den arabischen Herrschern zu imponieren. Von Tausenden von Bedienten (60.000 sagt Tarik es Sudan) begleitet, durchquerte er die Wüste über Walata und erschien in Kairo vor den Augen der geblendeten Welt wie ein Herrscher aus Eldorado“. Zwei Tonnen Gold soll er mitgebracht und so großzügig verteilt haben, dass der Kurs des Goldes sank und Mussa für die Rückreise Geld von einem alexandrinischen Kaufmann leihen musste.
Nach seiner Rückkehr ließ Mussa in Timbuktu die Djinger-ber-Moschee und eine Residenz erbauen. Der Architekt war ein Moslem aus Andalusien, den Mussa aus Mekka mitgebracht hatte. Die Moschee verfügt über drei Innenhöfe, zwei Minarette und fünfundzwanzig Säulen, im Inneren herrscht dumpfes Dämmerlicht. Das Reich Mansa Mussas, auch Kankan Mussa genannt, dehnte sich damals über ein Jahr Fußmarsch aus, der Sultan gehörte zu den Mächtigsten der Welt. Nach seinem Tod verlor es an Stärke. Um die Herrschaft über Timbuktu kämpften im Lauf der Jahrhunderte verschiedene Herrscher der großen Reiche Westafrikas. Auf Mali folgte das Reich der Songhai, auch sie Schwarze, unter denen Timbuktu seine Glanzzeit erlebte. Hauptstadt eines der Königreiche war Timbuktu allerdings nie. Mit der Verlegung des Handels an die atlantische Westküste und die Eroberung Timbuktus durch Marokko 1591 verlor die Stadt an Geltung; die kleinen marokkanischen Garnisonen konnten sie nicht gegen die Attacken der Tuareg und der Völker aus dem Süden schützen, unter ihnen die Bambaras, die keine Muslime waren. 1893, als die Franzosen Timbuktu einnahmen, war die Stadt eine zur Bedeutungslosigkeit herabgesunkene Siedlung am Rand der Sahara.
Die Europäer erfuhren von dem Eldorado südlich der Sahara zuerst durch die Händler und Karawanenführer Nordafrikas. Timbuktu erweckte Goldgier, Interesse, Abenteuerlust, blieb lange ein unerreichbarer Ort, an dem sich die Phantasie entzündete. Schriftliche Beschreibungen Timbuktus lieferten zwei Reisende, Ibn Battuta aus Marokko, der im 14. Jahrhundert ausgedehnte Reisen durch die Länder des Islam unternahm, und zwei Jahrhunderte später Leo Africanus (1485–1554), ein Moslem aus Granada, der im Auftrag von Papst Leo X. (1475–1521) eine Beschreibung Afrikas verfertigte. Während Ibn Battuta zwar vom Wohlstand und der Sicherheit des Malireiches und vom Luxus am Hof der Könige beindruckt war, hatte er für Timbuktu nicht viel übrig. Umso ausführlicher und in höchsten Tönen beschrieb Leo Africanus das reiche, wohlgeordnete Leben in der Stadt der Kaufleute, Gelehrten und Heiligen. Einzige Mangelware war das Salz.
Als die ersten Europäer im 19.Jahrhundert Timbuktu endlich erreichten, war von der früheren Bedeutung und dem ehemaligen Wohlstand dieses wirtschaftlichen und intellektuellen Zentrums nicht mehr viel übrig geblieben. Der erste war der Schotte Gordon Alexander Laing, der 1826 in Timbuktu eintraf und später beim Verlassen der Stadt ermordet wurde; als zweiter erreichte der Franzose René Caillié, als Araber verkleidet, zwei Jahre später die Wüstenstadt, als Forscher und Entdecker, aber gleichzeitig im Bestreben, Kolonialansprüche für Frankreich zu sichern. In britischem Auftrag kam 15 Jahre später der deutsche Afrikaforscher Heinrich Barth nach Timbuktu. Ihm verdanken wir präzise und angenehm zu lesende Berichte über Land und Leute.
Wie man sich aus Geschichte und Geographie leicht vorstellen kann, leben in Timbuktu Angehörige verschiedener Völker. In seinen Straßen trifft man hellhäutige Berber und Mauren, dunkelhäutige Songhais, Malinkés und Bambaras, die alle in eigenen Vierteln der Stadt wohnen; um die Stadt herum begegnet man den schlanken, hochgewachsenen Peuls mit ihren Tierherden, kleingewachsenen Bozos oder Bellas, den Fischern von den Gestaden des Niger, und natürlich den Tuareg, den Bewohner der Wüste, mit und ohne Kamele.
Um die Tuareg, die „blauen Männer“ oder „die letzten Ritter“, ranken sich viele Legenden, sie sind – wie Timbuktu – zur Projektionsfläche europäischer Phantasien und Träume geworden. Nicht von ungefähr, ist doch ihr Leben, da wo es in seiner traditionellen Form noch existiert, von unserem westlichen diametral verschieden. Die Schönheit und Freiheit der Frauen, die in Tücher gehüllten Gestalten der Männer mit dem um Kopf und Gesicht geschlungenen „tagelmust“, der nur die Augenpartie frei lässt, hoch auf den über alles hinwegblickenden Kamelen, tragen zu ihrer Mystifizierung bei. Kaum jemand, der ihnen gegenüber gleichgültig bliebe.
Die Tuareg stammen ursprünglich von den Berbern Nordlibyens ab. Unter dem Druck der arabischen Invasion wichen sie nach Süden aus, vermischten sich mit Arabern und Schwarzen. Im 20. Jahrhundert trieben die Dürreperioden der siebziger und achtziger Jahre und später die algerische Politik, die die Nomaden sesshaft machen wollte und ihnen das Wandern über die Grenzen verbot, manche in die großen Städte, wo man sie auf den Straßen beobachten konnte, wie sie Silberschmuck verkauften. Viele verarmten, andere passten sich den neuen Lebensumständen an und wurden zu Städtern. Wieder andere ließen sich in Oasen und Dörfern nieder oder suchten im Tourismus ein Auskommen. So auch in Timbuktu, wo sie den Touristen Schmuck und Alltagsgegenstände verkaufen und Kamelritte in die Wüste anbieten, beides eher traurige, würdelose Angelegenheiten.
Die Tuareg sind Nomaden. Sie züchten Kamele, halten Ziegen- und Schafsherden und sind am Karawanenhandel beteiligt. Mit den sesshaften Bauern unterhalten sie enge Beziehungen. Die Nomadenvölker sprechen eine gemeinsame Sprache, Tamashek, und verfügen über eine Schrift, das Tifinagh. Die Frauen haben eigenen Besitz, eigene Zelte, gehen unverschleiert, sind für das tägliche Wohl der Familie zuständig und erziehen die Kinder. Das faktische Matriarchat der Tuareg hängt damit zusammen, dass die Männer ein halbes bis dreiviertel Jahr unterwegs und abwesend sind, wenn sie Karawanen begleiten und ihren Herden nachgehen.
Heute gibt es noch rund ein bis zwei Millionen Tuareg, verteilt auf die Staaten Algerien, Libyen, Niger, Mauretanien, Marokko, Mali und Burkina Faso. Wie viele noch in ihrer angestammten Kultur leben und wie lange dies überhaupt noch möglich sein wird, ist höchst ungewiss.
Timbuktu hat nicht nur von seiner Lage am Schnittpunkt der Wüstenstraßen profitiert, sondern auch von seiner Nähe zu ertragreichen Anbauflächen in der Umgebung des Niger. Wenn das Hochwasser des Niger nach der Regenzeit im Sommer zurückgeht, hinterlässt es von fruchtbarem Schlamm überflutete Felder, ideal für den Anbau von Hirse und Reis. Darüber hinaus ist der Fluss natürlich ein steter Lieferant von frischen Fischen.
Die Sahara ist die größte und extremste Wüste der Welt, eine „klimatisch-passatische Wendekreiswüste“, über deren Kern stets ein Hochdruckgebiet steht und stets ein trocken-heißer Wind weht, der Harmattan. Bei klarem Wetter kann man aus dem Flugzeug heraus ihre verschiedenartige Beschaffenheit deutlich erkennen. Eigentlich ist die Sahara ein Ensemble von Wüste, Halbwüsten, Wüstensteppen und, an den Rändern, von Savannen. An den Rändern wachsen zwischen Sanddünen krüppelige Bäume und Dornbüsche, Tamarisken, Akazien und Ginster. In den Sahelzonen dann die riesigen Baobabs, Palmen und eine ganze Reihe von Nutzbäumen.
Trotz ihrer Unwirtlichkeit ist die Sahara nie eine Barriere für die Menschen gewesen; den Tuareg ist sie sogar Lebensraum geworden. Dass aus der Stadt Timbuktu ein geistiges Zentrum wurde, das während mehreren Jahrhunderten vom Rand der Wüste aus in den ganzen islamischen Raum ausstrahlte, ist dem Karawanenhandel zu verdanken, der nicht nur Güter transportierte, sondern auch Bücher und Kunstgegenstände, der Begegnungen zwischen Menschen verschiedener Kulturen ermöglichte und Wissen vermittelte. Diese vergangene Zeit fand man in Timbuktu bis vor dem Einfall der Terroristen 2012 vor allem in den Bibliotheken. Im Ahmed Baba Centre beispielsweise wurden rund 20.000 alte arabische Manuskripte aufbewahrt.
Das UNESCO-Weltkulturerbe Timbuktu wurde 2012, nach der teilweisen Zerstörung durch die Dschihadisten, in die Rote Liste des gefährdeten Welterbes eingetragen. Die drei Moscheen, die Djinger-ber-Moschee, die Sankoré-Moschee und die Sidi Yahia-Moschee, die alle im 14.Jahrhundert als architektonische Meisterwerke aus Lehm erbaut und mehrmals renoviert wurden, sind schon 1996 in die Liste der gefährdeten Denkmäler eingetragen worden, was neue Mittel freigab für deren dringend notwendige Restaurierung, die nur von Fachleuten geleistet werden kann. Doch nicht nur die Moscheen bräuchten Geld und Aufmerksamkeit.
Es ist unübersehbar: Timbuktu, die weltberühmte Handelsmetropole, die Stadt der 333 Heiligen, der Ort, wo Gelehrsamkeit herrschte und Toleranz gelebt wurde, Timbuktu ist heute eine arg vernachlässigte Stadt; die Häuser der historischen Innenstadt sind von wenigen Ausnahmen abgesehen in schlechtem Zustand, auf den Straßen wirbelt der Wind mit dem Sand Dreck vor sich her, die Menschen sind arm, viele sind arbeitslos. Die Mausoleen sind zwar nach dem Überfall der Dschihadisten im Frühling 2012 wieder in altem Zustand, aber die Sanierung der Stadt ist kostspielig und kommt nur langsam voran.

Der Regisseur Abderrahmane Sissako
Abderrahmane Sissako, der für Drehbuch und Regie von „Timbuktu“ zeichnet, ist einer der bekanntesten Filmschaffenden Afrikas. Er wurde 1961 in Mauretanien geboren, verbrachte aber seine Jugend in Mali. Seine filmische Ausbildung erhielt er in der Sowjetunion. Seit 1990 lebt er mehrheitlich in Paris und pendelt oft zwischen Europa und Afrika. Themen seiner Filme kreisen um die Beziehungen zwischen dem Norden und dem Süden, um die Folgen der Globalisierung und um das Leben der Menschen in den Ländern in und rund um die Sahara. „Timbuktu“ wurde 2013 in Mauretanien gedreht, nahe der mauretanisch-malischen Grenze, während im Norden Malis die Militäroperation gegen die Terroristen im Gang war.
Seine Nähe zu dem mauretanischen Präsidenten Mohamed Ould Abdel Aziz, der Mauretanien autokratisch regiert und der Sissako zu seinem „attaché culturel“ ernannte, hat Sissako Kritik eingebracht. Französische Journalisten warfen ihm vor, er habe ursprünglich einen Film über die „haratines“, die ehemaligen schwarzen Sklaven Mauretaniens drehen wollen, die heute die Hälfte der Bevölkerung ausmachen und von den hellhäutigen Mauren diskriminiert werden, doch der Präsident habe sein Veto eingelegt.
„Timbuktu“ wurde beim Festival in Cannes 2014 stürmisch gefeiert und erhielt viele Preise, zum Beispiel 2015 sieben César unter anderem für den besten Film, das beste Drehbuch (mit Kessen Tall) und die beste Regie
Von seinen übrigen Filmen wurden viele von arte koproduziert und im Fernsehen ausgestrahlt („Rostov-Luanda“, 1997, oder „Das Leben auf Erden“ (La vie sur terre), 1999). Auch zwei seiner Spielfilme gelangten vor „Timbuktu“ in die deutschen Kinos: „Heremakono – Warten auf das Glück“ (En attendant le bonheur), 2002 und „Bamako“, 2006.

Didaktische Hinweise

Zielgruppen: Schulische Bildung; ab der Sekundarstufe I; Fächer: Politik, Religion/Ethik, Geschichte; außerschulische Jugend- und Erwachsenenbildung.
Themen: Religion und Politik, Ziviler Widerstand, Afrika, Timbuktu
Altersempfehlung: ab 14 Jahren

Vorschläge für das Filmgespräch

Der Film bedarf wegen der Komplexität seiner Handlung einer gründlichen Einführung. Dazu ist es ggf. hilfreich, die wichtigsten Personen der Handlungen schon zu benennen (Abdelkrim, Chef der Dschihadisten; Omar, seinen Fahrer; Kidane, Hirte/Nomade; Satima, seine Frau; Toya, seine Tochter; Issan, Hirtenjunge, Waise, Kidanes Ziehsohn; Amadou, Fischer; Zabou, die Verrückte; der Imam; der Wasserkurier; verschiedene Bewohner Timbuktus).

Vorschläge und Fragen zum Gespräch über ausgewählte Aspekte und Themenkreise des Films:

Zu den beiden grundlegenden Konflikten im Film:

  • Warum ist der Konflikt zwischen Kidane und Amadou so erbittert und endet sogar tödlich? Wer trägt die Schuld daran?
  • Wie werden die Dschihadisten dargestellt? Woher kommen sie?
  • Warum reden die jungen Dschihadisten untereinander Französisch?
  • Wie glaubwürdig sind sie in ihrem Anspruch, die Bewohner Timbuktus auf den „rechten Weg“ des Dschihad zu führen? Was bedeutet „Dschihad?
  • Wie unterscheidet sich davon das religiöse Selbstverständnis der BewohnerInnenn Timbuktus? Welche Argumente hat der Imam gegen die Maßnahmen der Dschihadisten?
  • Wie wehren sich die BewohnerInnenn Timbuktus gegen die Terroristen? Wie leisten die Frauen, wie die Männer Widerstand, wie die Kinder? Haben sie eine Chance?
  • Was versteht man unter Zivilem Widerstand? – Ist dies ein passender Begriff, um das Verhalten der BewohnerInnenn zu charakterisieren?
  • Was bedeutet die Szene mit dem gefangenen Mann im Vorspann des Films?

Zu Timbuktu und Mali:

Der Film zeigt die in Mali gelegene Stadt Timbuktu in einem Ausnahmezustand. Dennoch wird auch der Alltag der Bewohner vermittelt.

  • Was für ein Bild hatten Sie von Timbuktu und seinen BewohnerInnen vor dem Film? Wie hat es sich ggf. verändert?
  • Woher kommt der magische Klang der Stadt Timbuktu?
  • In Timbuktu leben Menschen verschiedener Ethnien. Wie unterscheiden sie sich und was kann man daraus schließen? Welche Bedeutung hat dies für die Filmhandlung?
  • Die Menschen sprechen verschiedene Sprachen. Warum ist das so?
  • Welche Sprachen haben Sie erkannt? Wer spricht was? Welche Bedeutung hat es, dass die Besatzer die Sprache der Einheimischen nicht verstehen?
  • Wie verständigen sich die Bewohner Timbuktus wohl, wenn sie nicht dieselbe Sprache sprechen?
  • Wie werden die Frauen, wie die Männer dargestellt? In welchen Rollen treten sie auf?

Zu weiteren Aspekten des Films:

  • Welche Funktion kommt der ‚Verrückten‘ im Film zu?
  • Mit welchen Mitteln inszenieren Regisseur und Kamerafrau die besondere Atmosphäre Timbuktus? Welche Rolle spielt die Musik dabei?
  • Welche Rolle spielt Musik in der Kultur Timbuktus?
  • Es gibt Szenen voller Symbolik. Welche fallen besonders auf? Was bedeuten sie? Lässt sich ihre Bedeutung klar erschließen oder bleiben sie vieldeutig?
  • Im Film werden zwei Folterszenen gezeigt. Wie haben Sie darauf reagiert?
  • Welche Bedeutung hat die Steinigungsszene für den Regisseur?

Literaturhinweise und Links

  • Rainer Hermann; Endstation islamischer Staat, dtv 2015
  • Michael Lüders; Wer den Wind sät; C.H. Beck Verlag 2015
  • Loretta Napoleoni; „Die Rückkehr des Kalifats“, Rotpunkt-Verlag 2015
  • Stefan Weidner; Mohammedanische Versuchungen, Ammann Verlag 2003
  • Mahi Binebine; Die Engel von Sidi Moumen“; Lenos Verlag, 2014
    (In diesem Roman erzählt der marokkanische Autor die Geschichte einer Gruppe von Jugendlichen, die in einem Slum von Casablanca in die Fänge eines Terroristen geraten und sich schließlich im Namen Allahs in einem Hotel in die Luft sprengen. Hintergrund des Romans sind die Attentate, die sich 2003 in Casablanca ereigneten).

www.bpb.de/internationales/weltweit/innerstaatliche-konflikte
Homepage der Bundeszentrale für Politische Bildung. (im Suchfeld „Mali“ eingeben)

Hinweise auf Spiel- und Dokumentarfilme:

Making Of – Kamikaze
Regie: Nouri Bouzid, Tunesien, Deutschland, Frankreich 2006, Spielfilm, 115 Min.
Bezug: EZEF

Ayeshas Schweigen (Silent Waters / Khamosh Pani)
Regie: Sabiha Sumar, Deutschland, Pakistan 2003, 99 Min., Spielfilm, (DVD in Vorbereitung)
Bezug: EZEF

Zur Hölle mit dem Teufel (Pray the Devil back to Hell)
Regie: Gini Reticker, USA, Liberia 2008, 60 Min., Dokumentarfilm
Bezug: EZEF

Autorin: Regula Renschler
Redaktion: Bernd Wolpert
April 2016